Ausstellungen

HARMONY SOCKET

2018oktober
Kunstakademie Münster

Die Bilder mit weißem Hintergrund und darauf gesetzter scharfer Form scheinen, so Luisa Kömm, als wären sie in eine ätzende Lösung getaucht, die biologisches Material auslöscht und technoide artifizielle Formen piktogrammartig stehen lässt. Hier offenbart sich das Verlangen nach Verbund von Künstlichem und Natürlichem.

Sowohl die Objekte, als auch die in den Bildern steckende Motivik können aus der Anwendbarkeit heraus gedacht werden, die Anleitung zum imaginären Vollzug des Verbundsystems sind den Körpern inhärent. Wenn sie von der Anwendbarkeit heraus gedacht sind, dann wird jedes einzelne Motiv ab einem gewissen Zeitpunkt, dem die Befriedigung des Passmomentes voraus gegangen ist, ungemütlich, denn die technologische Veränderung der menschlichen Physis, der Verbund also aus dem Kadaverischen und dem Künstlichen kann wunde Stellen erzeugen.

Ausgangspunk ist immer das Ausleben des Fetischs für Dinge, die ineinanderpassen, andocken, zusammenklicken,… –  bleiben wir auf der rein kontemplativen ästhetischen Ebene ist es eine mit hyalin geschmierte articulatio, die jede Arbeit zeigt. Konkave und konvexe Formen bieten sich an, sozusagen zur Selbstbefriedigung. Es wird je Motiv und Objekt entschieden, ob der Verbund der Formen demonstriert wird, indem beide Protagonistenformen vorhanden sind, oder ob ich den Passmoment entsage, indem auf das Gegenstück verzichtet wird.

Verstärkt in dieser Ausstellung geht es um einen Körperbezug. Es gibt aber auch Modi, die sich dem direkten sensitiven Modus der Körperlichkeit entziehen und auf dinglicher Ebene fungieren, ein Verweis hierbei auf den „Ribbon“ von Pierre Paulin aus dem Jahre 1965, oder das wie ein spaceshuttle anmutende Gewicht auf dem Boden, das als ein richtungsweisender Monolith, wie ein Lesezeichen fungiert. Er gibt das nötige Gegengewicht zum freeze, und setzt mit der Information über seine Herstellung die Anleitung zum Vorstellen des repetitiven Passens.

Felicia Dürbusch

Foto: © Kunstakademie Münster, Ilsuk Lee

Ein gewisser Druck wird da sein, wenn du cool sein willst

2018februar
Kunstakademie Münster

Ich sehe den menschlichen Körper als modulares System. Orth- und Prothetik verbinde ich nicht nur mit dem Normativen, Pathologischen und der Kompensation, sondern auch mit einer Ästhetik.
Passteil N.H. und Passteil T.S.H. sind maßgefertigte Teile, die sich jeweils in die Trichterbrust von N.H. und T.S.H. einlassen. Passteil F.D. ist eine maßgefertigte „Orthese“ für F.D.s rechtes Schienbein. Alle Passteile haben weder orthopädische Funktion, noch technisches Enhancement. Ich beschreibe es als ästhetisches Exoenhancement, dem ich jetzt schon die Frage stelle:
Trotz dessen es sich nicht um biomedizinisches Enhancement handelt (bei dem sich die Autonomie des Einzelnen in der Entscheidungsfrage doch bestimmt nicht erhalten lassen wird (?)), bleibe ich autonom in der Entscheidungsfrage, wenn es um das ästhetische Exoenhancement geht ? – denn ein gewisser Druck wird da sein, wenn du cool sein willst.

Haare leck mein Holz

2018februar
Kunstakademie Münster

Die Klinge dringt ein, das Holz spaltet sich. Schweiß entsteht. Von A nach B Arbeit permanent, der Stapel wächst. Gleichzeitig sind Bildträger an der Wand, permanent unbewegt nicht nur als Kulisse, sie fordern auf hinzusehen, dumpfer Schlag hinter Dir – das Unbehagen verlangt was ab, überwinden für’s Betrachten.  Handwerk Handwerk, und irgendwie geht’s auch um Schönheit. Felicia Dürbusch, Foto: Malte Reuters

Akademie [Arbeitstitel]

13.12.2017 – 7.01.2018
Kunsthalle Düsseldorf

//Finissage 7.01.2018 15-18 Uhr//

Inventur 17

feuchte Farbkrem [Die Zähigkeit liegt etwas höher als bei Zahnpasta] ist gefügsam, dann, stimulus im Bild enthalten, anschauend mach’s dir selbst; fuck ja, das Passen im repetitiven Ablauf imaginativ vollziehen. Das sich aus [stecken, anlegen, docken, klicken, schmiegen, einlassen, vakuumieren,…] zusammensetzende Gemalte hier braucht, um effektiv zu sein, HOCHkomplexe 🙂 Verarbeitung; wenn du in Narkose bist, kannst du mit diesen 21 in-formatio-speicher nichts. Felicia Dürbusch, Foto: Sarah Kramer

.zip [Projekt Klasse Klaus Merkel]

Ein All – Over unterschiedlichster Formate und Sujets wird in kurzem Abstand zur gezielten Konfusion gegenüber und gegeneinander gehängt. So sind 21 künstlerische Positionen, aus denen 126 Bilder resultieren, auf knapp 17m Wand komprimiert.
Der Titel .zip (aus dem Englischen „zipper“, Reißverschluss) beschreibt ein Dateiformat, welches eine verlustfrei komprimierte Datenspeicherung ermöglicht. Diese reduziert nicht nur den Platzbedarf in der Archivierung eines umfassenden „Datenpakets“, sondern lässt sich als entsprechende Containerdatei definieren, in der zusammengehörige Dateien bzw. Verzeichnisse möglichst effizient zusammengefasst werden. Paula Fröhlich

2017 rapid eye movement

rapid eye movement

2017februar
Kunstakademie Münster

Werkmotive auf Bettwäsche – Original, Reproduktion, Kopie und Vervielfältigung, zwischen Entwertung des Bildstatus durch den Zweck Bettwäsche, Dekoration und potentieller Massendrucksache – und Aufwertung durch Charakter des Populären, gar des „Pop“?

Der paradoxe Schlaf ist die Phase des Schlafenden, in der sich die Augen bei geschlossenem Lid schnell bewegen [=rapid eye movement]. Erlebnisse der wachen Phase werden hier ausgewertet. Diese Verarbeitung von Bildern auf einer anderen Ebene transferiert die Klasse von Prof. Klaus Merkel mit deren Druck auf Bettwäsche. Die Studierenden paraphrasieren mit dieser Art von Bildträger das Medium der Präsentation als populärkulturellen Zugang zur Kunst. Das Verhältnis zwischen Bildträger und Motiv, und dessen Kopierbarkeit in diesem Fall, werden in den Diskurs von Kunst und Alltag gestellt. Es stellt sich die Frage, ob die Reproduktion eines Motivs auf pragmatisch alltäglichen Gegenstand und damit die potentielle Massendrucksache, eine Entwertung des Bildes zur Folge hat oder ob sich an dieser Stelle ein Denken in wertenden Dualismen von Original und Reproduktion überhaupt anführen lässt. 22 Bettwäschen-Sets, beidseitig bedruckt mit jeweils unterschiedlichen Motiven, werden in der Klasse getaktet festgenagelt. On demand können die einzelnen Modelle erworben werden.
Mit professionellem Druck auf hochwertigen Stoff wurde die Klasse unterstützt von Bierbaum Unternehmensgruppe GmbH & Co. KG. Felicia Dürbusch

2017-Inventur 17

Inventur 17

2017februar
Kunstakademie Münster

Inventur 17 macht Formkonstrukten aus meinem Skizzenarchiv eine große Fläche auf. Während der Inventur des Archivs bleibt eine Auslese an Skizzen, deren befriedigender Moment des Ineinanderpassens ich noch einmal im Malprozess erfahren will. Zurück bleiben die Skizzen, bei deren Archivierung der Höhepunkt schon verlebt ist. Felicia Dürbusch

2016 Passstücke, Galerie Januar e.V. Bochum

Passstücke

2016august
Galerie Januar e.V. Bochum

Mit der als »Umwelt« weit gefassten Quelle der Formgefüge eröffne ich mir den absoluten Operationsspielraum. Die Motivik entspringt einesteils dem Bauplan der menschlichen Anatomie, anderenteils entsteht die Form der Malerei durch die Auslese von Objekten im Designformat oder durch das Herausnehmen banaler, zweckrationaler Gegenstände. Ich löse die Formgefüge aus ihrem Kontext heraus und lasse sie auf dem Bildträger beschnitten, abstrahiert und reduziert in verschiedenen Modi in Interaktion treten. Damit gilt das Œuvre weder einer äußersten Abstraktion, noch einer realitätsgetreuen Abbildung des Gesehenen. Das Gemalte soll eine Relation zur Figur behalten, auf dass Assoziation zu Bekanntem empfunden werden kann; indes ist die Form zu entziffern. Mit der Suche nach ineinanderpassenden und sich komplementierenden Elementen entstehen Gebilde, die ich als »Passstücke« bezeichne. Bei der malerischen Umsetzung konzentriere ich mich auf den Passmoment dieser Formen; der Bildinhalt ist auf diesen Moment der Interaktion reduziert. Körpersysteme gekoppelt mit Formen, die als Prothesen, Orthesen, Rüstungselemente oder Stützen agieren, oder Formationen von Objekten, die passgenau funktionieren, sind in eine zweidimensionale, desillusionierte Ebene überführt. Felicia Dürbusch

2015 Lattgold, Kunstverein Hamm - Gruppenausstellung (K)

Lattgold

2015
Kunstverein Hamm

Von der unbefleckten Wand zum Lattgold

Wir überziehen: Latte mit güldenem Surrogat. Wir verlagern vom goldschwülstigen Rahmen zur schlagmetallenen Schwebe: Unscheinbar dünn gewundene Seile an Dachlatte, ein Lauf für stumpfe Taktung von Bildern. „Dezentes Präsentieren“, sagt das Bilderschienenset, die Latte hält’s aus(!) und durchkreuzt die Artysphäre von Museen, Galerien wie Praxen jeglicher ärztlicher Fachrichtung. Geschmack statt Beigeschmack. Ungehobelt mit bösen Ösen nimmt sie dem goldenen Hahn die gravitätische Miene. Denkoperation „Galerieschiene“ – 30 Jahre Unbeflecktheit ohne Hämmern und Nageln. Der Glanz hebt ab zur Fete. Aus der Not den Regler hochschieben. Felicia Dürbusch

2015 Malerei 15, Emsdettener Kunstverein - Gruppenausstellung (K)

Malerei 15

2015
Emsdettener Kunstverein

Der Malerin geht es in ihren Bildern um das Wunder des Zueinanderpassens, um das ebenso exakte wie harmonische Sich-Anschmiegen und Ineinanderfügen zweier Formen. Diese müssen außerhalb der Bildwirklichkeit gar nichts miteinander zu tun haben. Im Bild werden sie von der Künstlerin (…) aneinandergesetzt, oftmals in ausgedehnten Gelenkzonen, manchmal auch nur an wenigen Berührungspunkten. Diese aber sind das Wesentliche (…): Solche entstehen erneut im Einpassen der jeweiligen Formen ins Bildformat, denn auch an den Außengrenzen des Gemäldes operiert Felicia Dürbusch haargenau, so dass die Motive wirken wie unverrückbar eingespannt ins Bildgeviert. Die Körperlichkeit der Malerei bildet dabei einen starken Kontrast zum beinahe grafischen Look der Gemälde (…). Stephan Trescher